- Time to Read
- Ratgeber
- Einen Lesekreis gründen
Einen Lesekreis gründen, in sechs Schritten
Für alle, die schon lange sagen, dass es einen Lesekreis geben müsste. Sechs Schritte, von der ersten Nachricht bis zum ersten Abend, und was du tust, wenn es nach drei Treffen zäh wird.
Einen Lesekreis gründest du mit drei Leuten, einem Buch und einem Termin. Frag zwei Menschen, die gern lesen, nimm ein Buch von rund dreihundert Seiten, das alle leicht bekommen, und leg gleich den Abend fest, an dem ihr darüber sprecht, etwa sechs Wochen später. Alles andere (mehr Leute, ein fester Ort, wer das Gespräch leitet) klärt ihr unterwegs.
1. Du brauchst drei Leute und einen Termin
Ein Lesekreis ist kein Verein. Er ist eine Gruppe, die dasselbe Buch liest und sich an einem verabredeten Abend darüber unterhält. Eine Satzung brauchst du nicht, drei Leute schon: Mit zwei ist es ein Gespräch, mit drei liest immer jemand das Buch ganz anders als du.
Größer geht, bis zu einem gewissen Punkt. Ab etwa zehn Leuten kommt nicht mehr jeder zu Wort, und die Stillen bleiben still. Fang klein an und lass den Kreis wachsen.
2. Wen du fragst, und wie
Die ersten zwei Mitlesenden kennst du schon: die Kollegin, die in der Mittagspause liest, den Freund, der dir immer Bücher empfiehlt, die Nachbarin mit dem vollen Regal. Frag konkret, nicht allgemein. „Hast du Lust, im November dieses Buch zu lesen und am 4. Dezember bei mir darüber zu reden?“ bekommt mehr Zusagen als „Wir sollten mal einen Lesekreis machen“.
Willst du Leute kennenlernen, die du noch nicht kennst, häng einen Zettel in der Stadtbibliothek oder in deiner Buchhandlung auf, mit Buch, Datum und wie man dich erreicht. Buchhändlerinnen geben so etwas oft gern weiter.
3. Das erste Buch: dreihundert Seiten, die Streit erlauben
Das erste Buch entscheidet, ob es einen zweiten Abend gibt. Wähle etwas, das:
- leicht zu bekommen ist. Als Taschenbuch erhältlich oder in der Bibliothek vorhanden, nicht nur als teure Neuerscheinung.
- nicht zu dick ist. Rund dreihundert Seiten schaffen auch Leute mit wenig Zeit in sechs Wochen.
- eine offene Frage hat. Eine Figur, die etwas Zweifelhaftes tut, ein Ende, das man unterschiedlich lesen kann. Über ein Buch, das alle einfach gut fanden, ist nach zwanzig Minuten alles gesagt.
Danach wählt reihum jeder einmal. So liest du auch Bücher, die du dir nie selbst ausgesucht hättest, und genau das ist der halbe Sinn eines Lesekreises.
4. Wie oft, wo und wie lange
Alle vier bis acht Wochen ist ein guter Rhythmus. Ein fester Abend, etwa jeder erste Dienstag im Monat, spart das ewige Terminsuchen. Legt den nächsten Termin immer am Ende des Abends fest, solange alle noch am Tisch sitzen.
Als Ort reicht ein Wohnzimmer. Reihum bei jemandem zu Hause heißt, dass niemand jedes Mal Gastgeber sein muss. Ein ruhiges Café oder ein Raum in der Bibliothek geht auch, solange man sich dort hört. Zwei Stunden sind genug: eine fürs Buch, eine für alles andere.
5. Der erste Abend
- Eine Runde zum Einstieg. Jeder sagt in zwei Sätzen, wie das Buch für ihn war, ohne dass jemand widerspricht. So hat jede Stimme einmal gesprochen.
- Drei bis fünf Fragen. Wer das Buch vorgeschlagen hat, bringt sie mit. Fragen, die bei fast jedem Roman funktionieren, stehen bei Fragen für den Lesekreis. Zu manchen Titeln stellen Verlage auch kostenloses Material bereit, etwa das Lesekreisportal von dtv.
- Das Ende. Ganz zum Schluss, nicht nebenbei. Wer nicht fertig ist, darf vorher gehen oder sich die Ohren zuhalten.
- Das nächste Buch und der nächste Termin. Bevor die Jacken angezogen werden.
Leiten heißt nicht, die richtige Deutung zu kennen. Es heißt, gut zu fragen und zuzuhören.
6. Wenn es nach drei Treffen zäh wird
Fast jeder Lesekreis hat eine Phase, in der Leute absagen oder das Buch nicht schaffen. Das ist normal und meist mit einer Kleinigkeit zu lösen.
- Keiner schafft das Buch. Nehmt dünnere Bücher oder mehr Wochen. Und redet trotzdem: Warum jemand ein Buch abgebrochen hat, sagt auch etwas über das Buch.
- Immer reden dieselben. Beginnt mit der Einstiegsrunde, in der jeder einmal dran ist, und fragt die Stillen direkt nach einer Stelle, die ihnen aufgefallen ist.
- Es geht nur noch ums Essen. Das ist kein Unglück, aber vereinbart eine Stunde Buch, bevor das Dessert kommt.
- Es werden zu wenige. Fragt jede Person, eine weitere mitzubringen. Ein neuer Blick tut jeder Runde gut.
Ein Lesekreis in der App
Für den Anfang reichen eine Gruppe im Messenger und ein Kalender. Wer es lieber an einem Ort hat: In der App Time to Read gründest du unter Clubs einen Club mit einem Namen, deiner Stadt und bis zu drei Genres. Ohne Auswahl liest der Club alles. Wer den Club leitet, wählt, was er als Nächstes liest. Alle sehen, wie weit die anderen im Buch sind, als Balken, und im Gruppengespräch bleibt eine Nachricht von weiter hinten im Buch verborgen, bis du sie antippst. So kann man sich schon zwischen den Abenden austauschen, ohne jemandem das Ende zu verderben.
Öffentlich ist ein Club nur auf Stadtebene: Eine genaue Adresse nennt er nie, bevor man Mitglied ist. Und groß muss er nicht sein. Sechs Leser sind ein Club. Zwei auch.
Häufige Fragen
Wie viele Leute braucht ein Lesekreis?
Drei reichen für den Anfang. Mit zwei ist es ein Gespräch, mit drei liest immer jemand das Buch ganz anders. Nach oben wird es ab etwa zehn Leuten schwierig, weil nicht mehr alle zu Wort kommen. Dann lohnt es sich, eine zweite Runde zu gründen.
Welches Buch nimmt man für den ersten Abend?
Eins, über das man sich streiten kann, das aber niemanden abschreckt: rund dreihundert Seiten, als Taschenbuch oder in der Bibliothek leicht zu bekommen, mit Figuren, die Entscheidungen treffen. Romane mit einer Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt, tragen ein Gespräch am besten.
Wie oft trifft sich ein Lesekreis?
Alle vier bis acht Wochen ist üblich. Einmal im Monat passt in die meisten Kalender, sechs Wochen geben Leuten mit wenig Zeit mehr Luft. Wichtiger als der Abstand ist, dass der nächste Termin schon am Ende des Abends feststeht.
Wer leitet das Gespräch?
Am einfachsten die Person, die das Buch vorgeschlagen hat. Sie bringt drei bis fünf Fragen mit und achtet darauf, dass alle zu Wort kommen. Leiten heißt nicht, die richtige Deutung zu kennen, sondern Fragen zu stellen und zuzuhören.
Welche App eignet sich für einen Lesekreis?
Eine Gruppe im Messenger und ein Kalender reichen für den Anfang. Eine App, die für Lesekreise gemacht ist, ist Time to Read: Du gründest einen Club mit Namen, Stadt und bis zu drei Genres, die Leitung wählt Buch und Abend, und im Gruppengespräch bleibt eine Nachricht von jemandem, der schon weiter ist, verborgen, bis du sie antippst.